17. Mai 2026

„Verbastelte“ Ikonen und die Rettung einer Olympus XA

Erlebnisse auf dem Flohmarkt

Flohmarktbesuch in Heide

Ein Vatertags-Ausflug auf den Flohmarkt in Heide versprach, dort vielleicht das eine oder andere fotografische Gerät ergattern zu können. Was ich zwischen Fischbrötchen und Trödelkisten erlebte, war eine Berg- und Talfahrt zwischen nostalgischer Begeisterung und technischem Entsetzen.

Ich suche nicht nach Vitrinenstücken. Ich suche nach den Werkzeugen, die mich in meinen über 40 Jahren als Fotograf begleitet haben. Ein wenig Bastelarbeit darf auch dabei sein, aber komplett zerlegen kann ich die Geräte nicht. Der heutige Marktbesuch erforderte aber ein dickes Fell und ein extrem waches Auge.

Zwischen „lieblos“ und „unbezahlbar“

Es gab verhältnismäßig viele Fotoartikel, doch die Präsentation war oft ein Trauerspiel. Kameras, die einst Präzisionsmaschinen waren, lagen manchmal lieblos und ungeschützt in Kunststoffkisten. Von Reinigung oder Werterhalt scheint hier niemand etwas gehört zu haben. Andere wieder stellten die Geräte repräsentativ zur Schau. „Hopp“ oder „Top“.

Noch abenteuerlicher wurde es bei einigen Preisvorstellungen. Der aktuelle Analog-Hype scheint bei den Händlern angekommen zu sein – leider ohne das dazugehörige Fachwissen. Eine ungetestete Konica FS-1 sollte stolze 150.- € kosten, „wegen des Objektivs“ – ja, das ist ein gutes gewesen, aber rechtfertigt dennoch nicht den aufgerufenen Preis. Die FS-1 war die erste SLR, die einen eingebauten Motor zum Filmtransport hatte – und auch das ist heite gleichzeitig ihr größtes Manko: ist der erst einmal defekt, hat man kaum eine Chance, an Ersatzteile zu kommen. Die FS-1 ist als elektronische Diva bekannt ist, deren Kauf ohne Testbatterien ein reines Glücksspiel darstellt.

Aber bei einer Canon AE-1 mit FD 1,8/50 wurde es absolut skurril: Der Händler rief – nach einem schnellen Blick auf eBay-Höchstpreise – 300,- € auf. Dass er die eBay-Seite eines Händlers aufgerufen hatte, der die Kamera aufbereitet hatte und dieser dazu auch noch die Gewährleistung übernehmen muss, war ihm egal. Man kann es ja mal probieren, ‚jeden Tag steht ein Dummer‘ auf war wohl das Motto. Ich musste lachen, dafür bekomme ich bei Kleinanzeigen eine Nikon F3 (die fehlt in meiner Sammlung noch) – manchmal mit Motor. Als ich ihm sagte, dass mir die Kamera höchstens 50,- Euro wert wäre, wollte er 60,- Euro haben. Da die Kamera aber mit vielen anderen zusammen lieblos in einer Kiste lag, der Händler absolut keine Ahnung hatte, habe ich dann dankend abgelehnt. Die AE-1 wäre auch nur ein Nostalgiekauf gewesen, denn besessen habe ich diese Kamera nie.

Das Kuriositätenkabinett: Bastelstunde für Fortgeschrittene

Zwei Begegnungen ließen mich besonders fragend zurück:

  1. Die „optimierte“ Rolleiflex: Eine zweiäugige Ikone, an der der Besitzer eine kleine Feder fest montiert hatte, wohl deswegen, um den Deckel des Klappsuchers bei Nichtgebrauch unten zu fixieren, da dieser offensichtlich durch eine defekte Mechanik ständig aufklappte. Ein in das Gehäuse gebohrtes kleines Loch für die Feder – das jedem Enthusiasten die Tränen in die Augen treibt.
    Für mich ein Grund – auch wenn es mich gereizt hätte, eine alte Rolleiflex zu besitzen – das Teil nicht zu kaufen, da ist mir das Risiko einer defekten Kamera einfach doch zu groß. Nach dem Preis habe ich dann auch gar nicht erst gefragt.
  2. Die Exa-Lampe: Warum man eine alte Exa 1b zu einer Schreibtischlampe umbaut – und das handwerklich so lieblos, dass es weder der Kamera noch der Ästhetik gerecht wird – bleibt wohl das Geheimnis des „Künstlers“. Hinten hing ein 230-Volt-Kabel raus, vermutlich wird das Teil aber kein CE- oder GS-Zeichen (oder wie auch immer solche Geräte gekennzeichnet sein müssen) haben. Ich habe nicht geschaut. Manches sollte man einfach in Würde altern lassen.

Das Highlight: Eine Leica Digilux

Fast hätte der Tag mit einem kleinen Erfolg netten geendet: Eine Leica Digilux im absoluten Neuzustand, originalverpackt (OVP) und makellos. Selbst das Batteriefach war frei von Rückständen. Sie sah aus, als ob sie noch nie benutzt worden wäre. Ein echtes Sammlerstück. Aber es war leider kein Test möglich, da die Kamera eine spezielle Batterie braucht. Die lag zwar dabei, aber nicht geladen. Und solche alten Schätze müssen bei mir funktionieren. Der zweite Nicht-Kauf-Grund war ein „Kollege“, der den Verkäufer bereits über den Marktwert aufgeklärt hatte. Mit 300 Euro war der Preis zwar sicherlich absolut berechtigt, aber eben kein Flohmarkt-Schnäppchen mehr. Die Leica blieb, wo sie war.

Die Rettung der Olympus XA

Doch vom Digilux-Händler ich bin nicht mit leeren Händen gegangen. Ich entdeckte bei ihm eine Olympus XA. Die kleine Messsucher-Kamera hatte es mir gleich angetan, hatte ich diese auch selbst mal in Gebrauch, sie passte also in meine Sammlung. Beim ersten Check vor Ort stellte ich fest, dass der Schiebedeckel etwas hakte. Der vorher bereits erwähnte Kollege hatte für die Kamera – auf Grund des „Defekts“ des Deckels – einen Wert von 30,- Euro festgelegt. Immerhin ist der Deckel für das Ein- und Ausschalten der Kamera verantwortlich und mangels passender Batterien konnte ich das vor Ort nicht testen. Wir einigten uns auf 25,- Euro.

Zu Hause nahm ich den Deckel ab, was bei der Kamera relativ einfach ist, und mir fiel der Übeltäter in die Hand: ein kleiner zylindrischer Stift war aus seiner Lagerposition gerutscht. Das zu beheben war kein Akt und der Deckel läuft wieder wie er soll. Ein Test mit frischen AG13-Zellen (baugleich mit LR44) verlief positiv. Die Elektronik lebt und die Verschlusszeiten laufen absolut plausibel!

Jetzt fehlen nur noch neue Lichtdichtungen (ein Satz ist bereits bestellt), um die kleine XA wieder lichtdicht zu machen.

Fazit: Der Markt in Heide war heute eine Lektion in Geduld und Sachverstand. Manchmal ist das beste Geschäft das, welches man nicht macht – und manchmal ist es der kleine, reparaturbedürftige Schatz, der den Tag rettet.

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