Warum man manchmal drei Anläufe braucht
Flohmärkte sind für mich ein strategisches Spiel. Ich gehe mit einem festen Budget im Kopf los – in meinem Fall sind das meist strikte 50 Euro – und hoffe auf den einen Fund, der meine Sammlung derer Kameras erweitert, die ich zu analogen Zeiten einmal besessen habe.

Nun bin ich eigentlich eher auf der Suche nach SLR, die ich selbst einmal benutzt hatte. Die Olympus XA(2) hatte ich damals auch, war aber nicht das Objekt der Begierde, weswegen ich sie auch erst mal links liegen liess. Sie stand recht einladend in der Nähe einer Leica Digilux, die ich hier erwähnt habe. Aber wie das so ist: Der Flohmarkt in Heide ist recht groß, und die XA wurde direkt am ersten Stand angeboten. Wer hier sein Budget sofort auf den Kopf haut, läuft Gefahr, das „echte“ Schnäppchen drei Reihen weiter mangels Liquidität stehen lassen zu müssen – zumindest, wenn man nur die erwähnten 50,- € bar dabei hat.
Dreimal bin ich an ihr vorbeigegangen. Dreimal habe ich abgewogen. Die Olympus XA ist für mich eine alte Bekannte; früher hatte ich die XA2 in Gebrauch. Auch wenn ich die XA-Serie nie professionell im harten Pressealltag genutzt habe, so war sie doch immer die perfekte „Zweitkamera“ – kompakt, unauffällig und optisch brillant.
Beim vierten Mal blieb ich stehen. Der Grund für den zögerlichen Kauf war nicht der optische Zustand – die Kamera sah gepflegt aus und war keineswegs verharzt –, sondern ein technisches Detail: Der Schiebedeckel lief unrund, und der ist für das Ein- und Ausschalten der Kamera verantwortlich. Wir einigten uns auf 25,- €. Ein fairer Kurs, wie ich finde, zumal ich die Kamera selbst auch mangels passender Batterien nicht testen konnte.
Es stellte sich zu Hause dann heraus, dass ein kleiner, zylindrischer Metallbolzen aus seiner Führung gerutscht war. Zum Glück war er nicht verloren gegangen. Mit ruhiger Hand und dem passenden Werkzeug war der Rastmechanismus in wenigen Minuten wieder an seinem Platz.
Ein kurzer Check mit zwei AG13-Zellen (die unkomplizierte 1,5V-Alternative zur LR44) brachte die Gewissheit: Die Elektronik ist hellwach, der Messsucher ist klar und die Verschlusszeiten werden präzise gebildet. Der Mischbildentfernungsmesser funktioniert auch tadellos. Ich warte jetzt auf die neuen Lichtdichtungen, dann werde ich mal einen Film durch die Kamera ziehen.
Die XA ist nun Bestandteil meiner Sammlung. Sie ist das perfekte Beispiel dafür, dass man auf Flohmärkten nicht nur Glück, sondern auch ein wenig Mut zur Lücke braucht. Für 25,- € habe ich nun ein Stück Kamerageschichte gerettet, das technisch wieder funktioniert – und mein restliches Budget für den Tag wurde in Kaffee und Kuchen investiert.
Technische Eckdaten: Olympus XA
- Bauzeit: 1979 bis 1985.
- Objektiv: F.Zuiko 1:2,8 / 35 mm (6 Linsen in 5 Gruppen).
- Besonderheit: Das Objektiv ist ein echtes Retrofokus-Design. Durch die interne Fokussierung bewegen sich die Linsen im Inneren, sodass das Objektiv beim Scharfstellen nicht ausfährt. Nur so konnte die extrem flache Bauweise bei geschlossenem Deckel realisiert werden.
- Verschluss: Elektronischer Zentralverschluss (zwischen den Linsen).
- Zeiten: 10 Sekunden bis 1/500 Sekunde (stufenlos durch Zeitautomatik gesteuert).
- Blende: Manuell wählbar zwischen f/2,8 und f/22. Die Blendenlamellen bilden eine fast quadratische Öffnung, was der XA eine sehr charakteristische Hintergrundunschärfe verleiht.
- Fokussierung: Manueller Messsucher (Mischbildentfernungsmesser) mit einer Basisbreite von ca. 12,5 mm.
- Nahgrenze: 0,85 Meter bis unendlich.
- Belichtungsmessung: Zeitautomatik (Aperture Priority). Die Messung erfolgt über eine CdS-Zelle oberhalb der Frontlinse (daher auch bei Filtern wirksam).
- Filmempfindlichkeit: Manuell einstellbar von ISO 25 bis ISO 800.
- Sucher: Heller Leuchtrahmensucher mit Anzeige der Verschlusszeiten auf der linken Seite (Nadelanzeige).
- Besondere Funktionen an der Unterseite:
- Backlight-Korrektur: +1,5 Blendenstufen (für Gegenlichtaufnahmen).
- Batterietest: Akustisches Signal (Piepton) und LED.
- Selbstauslöser: 12 Sekunden Vorlaufzeit.
- Stromversorgung: 2 x 1,5V Silberoxid-Batterien (SR44) oder Alkaline (LR44/AG13).
- Maße & Gewicht: 102 x 64,5 x 40 mm bei nur ca. 225 Gramm (ohne Batterien).
