12. Juni 2026

Nikkormat FTn

Nikkormat FTn mit Nikkor-H 2,0/50 und Nikkor-Q 3,5/135

Eine weitere Kamera in meiner Sammlung ist die Nikkormat FTn. Sie ist das dritte Modell in der Nikkormat-Reihe – neben der FT und der puristischen FS. Mit dieser Serie brachte Nikon damals hochwertige Gehäuse für engagierte Amateure auf den Markt, welche die hervorragenden Nikkor-Optiken nutzen, sich aber die professionelle Nikon F (und spätere F2) nicht leisten oder deren immense Systemvielfalt schlicht nicht ausreizen wollten. Aber auch viele Profis steckten sich die FTn als unverwüstliches Zweitgehäuse in die Fototasche.

Um den Preis attraktiv zu halten und die Kamera vom Profi-Segment abzugrenzen, verzichtete Nikon auf die Möglichkeit, einen Motor zu montieren. Ebenso lassen sich weder der Sucher, die Sucherscheiben noch der Rückdeckel austauschen. Sogar der Zubehörschuh (Blitzschuh) musste separat erworben und am Sucher angeschraubt werden. Es versteht sich bei dieser Konstruktion fast von selbst, dass das Blitzgerät klassisch über den X- oder M-Kabelanschluss an der linken Gehäuseseite ausgelöst wird.

Mechanik statt Plastikbomber
Bauartbedingt ist die FTn zwar etwas leichter als eine voll ausgestattete F2 mit schwerem Messsucher-Prisma, im Verhältnis zu heutigen Kameras ist sie dennoch ein echter, schwerer Metallbrocken. Sie wurde von 1967 bis März 1975 gefertigt und liegt unglaublich satt in der Hand. Man spürt förmlich den massiven Stahl. Kompaktheit war damals eben noch kein Thema – und ich persönlich mag Kameras, bei denen man nicht das Gefühl hat, einen Plastikbomber in der Hand zu halten. Zudem lassen sich schwere Kameras beim Auslösen deutlich ruhiger halten. Ein echtes Highlight der Konstruktion ist übrigens das Zeitenrad: Es sitzt nicht oben auf der Kamera, sondern als Ring direkt um das Objektivbajonett.

Das „Nikon-Ballett“ mit alten Schätzen
Das abgebildete Nikkor-H 2,0/50 hatte ich schon, das Nikkor-Q 3,5/135 war ein Beifang zu meiner Nikon F601AF. Die beiden „Non-AI“-Objektive passen leider nicht an moderne Nikon-Kameras, es sei denn, der AI-Mitnehmer lässt sich wegklappen (wie z. B. bei der Nikon F3, F4 oder der digitalen Nikon Df). Dann kann man die alten Optiken dort mit Arbeitsblendenmessung nutzen. An der Nikkormat dürfen sie jetzt wieder nativ zeigen, was sie können. Das Ansetzen erfordert allerdings das berühmte „Nikon-Ballett“: Objektiv bei Blende 5.6 ansetzen und den Blendenring einmal komplett nach links und rechts drehen, damit der kamerainterne Belichtungsmesser die Offenblende korrekt indexiert.

Mein Exemplar: Ein Dornröschenschlaf von 1974
Die Kamera selbst kam in einem überarbeitungswürdigen Zustand bei mir an. Sie wurde wohl sehr lange Zeit nicht mehr ausgelöst. Nach ein paar ersten Trockenübungen laufen die Verschlusszeiten (gesteuert durch den extrem robusten Copal-Metallverschluss) aber wieder plausibel, der Filmaufzug schnellt zurück und selbst der eingebaute Belichtungsmesser rührt sich noch.

Meine Ausführung stammt aus der Zeit nach dem Facelift von 1973 – der Seriennummer nach ist es ein Modell von 1974. Bei diesem späten Modell wurden der Spannhebel und der Hebel für den Selbstauslöser mit schwarzem Kunststoff überzogen, was die Kamera in meinen Augen leider ein wenig von ihrem nostalgischen Charme nimmt. Da ich von einer alten, defekten FTn noch Ersatzteile herumliegen habe, überlege ich, die Hebel auf die nackte Metallvariante umzubauen. Allerdings wäre die FTn dann historisch nicht mehr ganz authentisch. Aber wer weiß – vielleicht läuft mir ja auch noch eine günstigere Ur-Ausführung über den Weg.

Die anstehende Kur
Alles in allem wartet aber noch einiges an Arbeit auf mich. Ich muss ein wenig Flugrost im hinteren Deckel beseitigen und die gesamte Mechanik im Inneren schreit nach einer Reinigung. Eine kleinere Delle auf der Rückseite (rechts vom Spannhebel) lässt sich glücklicherweise leicht ausbeulen, wenn ich den Gehäusedeckel zum Reinigen ohnehin abgenommen habe. Auch das Erneuern der klebrigen Lichtdichtungen und des Spiegeldämpfers steht an – aber das ist zum Glück kein Hexenwerk. Gleichzeitig werde ich prüfen, ob der berüchtigte Schaumstoff unter der Kappe das Sucherprisma noch nicht angegriffen hat.

Ich war zunächst etwas skeptisch, ob ich mir die FTn überhaupt zulegen soll, da sie auf meiner Wunschliste eher weiter hinten stand. Doch jetzt, wo ich sie in den Händen halte, habe ich mich spontan in dieses Stück Zeitgeschichte verliebt. Kein elektronischer Schnickschnack, einfach rein mechanisch: „back to the roots“. Sie besitzt zwar keinen Schnittbildindikator, sondern nur einen Mikroprismenring zum Scharfstellen, aber das stört mich kaum. Auch wenn meine allererste SLR damals eine Porst compact reflex war (die ebenfalls rein mechanisch und ohne Automatik arbeitete), ist die Nikkormat FTn noch einmal eine ganz andere Liga. Ich freue mich schon riesig darauf, die Kamera nach der Wellnesskur mit einem Film zu bestücken und die ersten Bilder zu machen!